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Wie hoch ist deine persönliche Inflationsrate?

Wenn man sich mit dem Thema Geldanlage beschäftigt, stößt man irgendwann unweigerlich auf das Thema Inflation. Und auf die Frage welche Auswirkungen die Inflationsrate auf das eigene Vermögen hat und haben wird.

Besonders während der letzten großen Finanzkrise 2008 und jetzt während Corona drucken die Notenbanken immer mehr und mehr Geld, im Versuch die Wirtschaft zu stützen. Wird das funktionieren? Das werden wir nur rückblickend beantworten können. 

Fakt ist aber: Inflation hat es schon immer gegeben und wird es auch immer geben.

Die Frage ist also mehr du mit dem Thema Inflation umgehst und was du tun kannst, um dein Vermögen davor zu schützen.

„Früher hat eine Kugel Eis 10 Pfennig gekostet!“ 

Immer wieder hört man von Eltern oder Großeltern die Geschichten was eine Kugel Eis oder ein Kinobesuch früher gekostet haben. Und man regt sich trefflich darüber auf, wie groß die Unterschiede zu heutigen Preisen sind.  

Ja, da ist etwas dran.  

Was aber leicht vergessen wird, ist, wie viel die Menschen früher verdient haben. Schaust du dir das folgende Diagramm an, dann siehst du, dass nicht nur die Kugel Eis teurer geworden ist. Auch der Verdienst der Menschen ist über die letzten 100 Jahre deutlich angestiegen. 

Entwicklung der durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste im früheren Bundesgebiet seit 1913/1914 in Euro
Entwicklung der durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste im früheren Bundesgebiet seit 1913/1914 in Euro (Statistisches Bundesamt, Quelle). 

Leider bedeutet das aber nicht, dass ein Mensch im Jahre 2019 im Vergleich zum Jahr 1968 nun auch wirklich acht Mal mehr Einkommen real zur Verfügung hat. Das wäre dann ja doch zu schön. Denn hier kommt die Inflation ins Spiel. Sie sorgt dafür, dass man zwar vom Betrag her mehr Geld hat, sich dafür aber nicht unbedingt auch mehr leisten kann. 

Eindrücklich siehst du das im folgenden Diagramm. In rot dargestellt ist der Nominallohnindex, d.h. die Entwicklung der Löhne in Geldeinheiten. Von 1991 bis 2019 sind die Nominallöhne (= Euro auf dem Konto), um 60,7% gestiegen. Im Schnitt hatte also jeder Arbeitnehmer im Jahr 2019 pro Monat 60,7% mehr Euro zur Verfügung als 1991.  

Konnte man sich damit auch mehr kaufen? Leider nein! In blau ist der Reallohnindex dargestellt. Also die reale Kaufkraft dieses Einkommens. Erstaunlicherweise war dieser Wert von 1991 bis etwa 2010 mehr oder weniger stabil. Erst nach 2010 lässt sich eine leichte Steigerung verzeichnen. 

Das liegt an der Steigerung des Verbraucherpreisindex (grün). Dieser gibt an, wie stark die Preise für Konsumausgaben pro Jahr steigen. Und wie leicht zu erkennen ist, verläuft diese Kurve parallel zum Nominallohnindex (rot). Und liegt sogar bis etwa 2015 darüber. Das bedeutet, dass jede Steigerung der Löhne direkt durch höhere Verbraucherpreise aufgefressen wurde. Man hatte real also doch nicht mehr Geld in der Tasche.      

Entwicklung von Reallohnindex, Normallohnindex und Verbraucherpreisindex in Deutschland. Der Nominallohn gibt das Einkommen in Euro wieder, der Reallohn dagegen die reale Kaufkraft. Der Verbraucherpreisindex zeigt die Entwicklung der Verbraucherpreise an. Ausgedrückt in Prozent mit 2015 als Basisjahr (= 100%).  
Entwicklung von Reallohnindex, Normallohnindex und Verbraucherpreisindex in Deutschland (Quelle). Der Nominallohn gibt das Einkommen in Euro wieder, der Reallohn dagegen die reale Kaufkraft. Der Verbraucherpreisindex zeigt die Entwicklung der Verbraucherpreise an. Ausgedrückt in Prozent mit 2015 als Basisjahr (= 100%).  

Steigende Verbraucherpreise führen zu einer schleichenden Geldentwertung 

Der Verbraucherpreisindex wird jeden Monat vom Statistischen Bundesamt (Destatis) ermittelt und ist die Grundlage für die Errechnung der Inflation. Die Inflationsrate ist nämlich die prozentuale Veränderung des Wertes des Verbraucherpreisindex gegenüber dem Wert des Vorjahresmonats oder gegenüber dem durchschnittlichen Wert des gesamten Vorjahres.  

der Mehrwertsteuersenkung in der Corona-Krise wodurch die Preise für private Verbrauchsausgaben gegenüber den Vorjahresmonaten deutlich gesunken sind. Die aktuelle Inflationsrate kann immer hier abgerufen werden: Verbraucherpreisindex für Deutschland. 
Verbraucherpreisindex für Deutschland als Veränderung gegenüber dem Vorjahr angegeben in Prozent. Optisch hervorgehoben ist die Zeit der Mehrwertsteuersenkung in der Corona-Krise wodurch die Preise für private Verbrauchsausgaben gegenüber den Vorjahresmonaten deutlich gesunken sind (Quelle).

Die Inflationsrate gibt also an, wie sich die Preise für private Verbrauchsausgaben innerhalb eines Zeitraums in Deutschland im Durchschnitt verändert haben. Die aktuelle Inflationsrate kann immer hier abgerufen werden: Verbraucherpreisindex für Deutschland

Eine schöne Erklärung zur Inflation und Erhebung der Daten gibt es hier als Video vom Statistischen Bundesamt:

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Der Verbraucherpreisindex wird anhand eines repräsentativen Warenkorbs berechnet 

Der Verbraucherpreisindex für Deutschland misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen.  

Wie ist das möglich? 

Das Statistische Bundesamt erhebt Monat für Monat tausende von Daten, um einen repräsentativen „Warenkorb“ zu erstellen, der für alle von privaten Haushalten in Deutschland gekaufte Waren und Dienstleistungen steht, z.B. für Nahrungsmittel, Bekleidung und Kraftfahrzeuge, Mieten, Reinigungsdienstleistungen oder Reparaturen. 

Woher weiß das Statistische Bundesamt aber, was genau und mit welchem Anteil in so einem repräsentativen Warenkorb enthalten sein muss?  

Es fragt die Bevölkerung! Alle fünf Jahre wird eine Einkommens- und Verbrauchsstichprobe mit 60.000 Teilnehmern durchgeführt. Die Teilnehmer notieren einige Monate lang alle ihre Einnahmen und Ausgaben, sodass anschließend bekannt ist, wie häufig z.B. Salz gekauft wird und wie viel Prozent des Einkommens dafür aufgewandt wurde. Diese im sogenannten Basisjahr erhobenen Daten dienen für 5 Jahre als Referenzwert. 

Da bestimmte Güter, wie Autos oder Waschmaschinen nicht jedes Jahr angeschafft werden, werden die Güterarten gewichtet (Wägungsschema). Je öfter eine Güterart gekauft wird und je teurer sie ist, desto höher ist der Einfluss auf den Verbraucherpreisindex.  

Gewichtung der einzelnen Verbrauchsausgaben privater Haushalte (Wägungsschema 2015)
Gewichtung der einzelnen Verbrauchsausgaben privater Haushalte (Wägungsschema 2015) (Quelle). 

Das Statistische Bundesamt erstellt sehr anschauliche Abbildungen zu diesen Themen: Eine grafisch interessante Darstellung des Wägungsschemas findest du im Preis-Kaleidoskop. Für häufig gekaufte Güter wie z.B. Butter oder Schwimmbadeintritte findest du sehr spannende Diagramme zur Preisentwicklung über die letzten Jahre im Preismonitor. 

Wie hoch ist deine persönliche Inflationsrate? 

Wenn du dir das Wägungsschema einmal genauer angesehen hast, wird dir aufgefallen sein, dass dort Ausgaben aufgeführt sind, die du möglicherweise gar nicht hast. Bei mir sind das z.B. Tabak oder im Punkt Verkehr alle Kosten rund um ein Auto. 

Wie stark du persönlich von „der“ Inflation betroffen bist, hängt also maßgeblich davon ab, wie viel Geld du wofür ausgibst und wie ähnlich dein Konsumverhalten zu dem des repräsentativen Warenkorbs ist. 

Wenn dich im Detail interessiert, wie hoch deine persönliche Inflationsrate ist, kannst du den Inflationsrechner des Statistischen Bundesamts nutzen und deine Konsumgewohnheiten einstellen und mit der gesamtdeutschen Inflationsrate vergleichen. Leider musst du dafür deine Ausgaben in prozentuale Anteile umrechnen, was doch sehr umständlich ist. Interessant ist es aber auch einmal nur mit den Balken zu spielen und zu sehen, wie sich die Werte verändern. 

Das aber nur am Rande. Für alle weiteren Betrachtungen gehe ich weiterhin von der allgemeingültigen Inflationsrate aus. 

Welche Bedeutung hat die Inflation auf volkswirtschaftlicher Ebene? 

Die Inflation betrifft uns alle, da ein Anstieg des allgemeinen Preisniveaus dazu führt, dass der Wert des Geldes sinkt. Anders formuliert: Du musst mehr Geld zahlen als zuvor, um dieselben Produkte zu kaufen und Dienstleistungen zu bezahlen.  

Das ist schlecht für uns auf persönlicher Ebene, aber auch für die gesamte Volkswirtschaft, denn es kann eine Spirale steigender Preise ausgelöst werden: Höhere Preise → Forderung Gehaltserhöhung → Erhöhung der Preise etc. 

Dadurch wird es schwieriger, Spar- und Investitionsentscheidungen zu treffen und in der Bevölkerung schwindet womöglich das Vertrauen in die Währung, weil diese rasch an Wert verliert.  

Deflation ist aber auch nicht besser 

Umgekehrt ist eine Deflation mit fallenden Preise bzw. sinkenden Inflationsraten ebenso schädlich. 

Kontinuierlich fallende Preise führen zu einem Teufelskreis für die Wirtschaft. Denn wenn wir als Konsumenten davon ausgehen, dass die Preise sinken, neigen wir dazu, unsere Anschaffungen aufzuschieben, um von niedrigeren Preisen zu profitieren. Und wenn das jeder macht, könnte die Wirtschaft zum Stillstand kommen.  

Wenn Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen nicht verkaufen können, müssen sie möglicherweise Gehälter kürzen bzw. auf Gehaltserhöhungen verzichten oder Mitarbeiter entlassen. Wenn Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, geben sie noch weniger aus. 

Außerdem könnte es schwieriger werden, Schulden, z. B. Immobilienkredite, zurückzuzahlen. Denn deine Schulden werden nicht weniger, dein Einkommen aber vielleicht schon. Das Gleiche gilt für den öffentlichen Haushalt. Bei sinkenden Einkommen und geringeren Verbraucherausgaben gehen auch die Steuereinnahmen zurück. Der Staat muss seine Schulden aber dennoch weiterhin tilgen. Infolgedessen kürzt der Staat möglicherweise seine Ausgaben für z. B. Infrastruktur und Gesundheitswesen.

Auf diese Weise bekommt jeder einzelne von uns die negativen Auswirkungen einer Deflation zu spüren. 

Wer tut etwas gegen Inflation und Deflation? 

Stabile Preise sind daher für uns und die Wirtschaft am besten. Die Europäische Zentralbank (EZB) und andere Zentralbanken haben deshalb die Aufgabe, Preisstabilität zu gewährleisten.  

„Die Hauptaufgabe der EZB besteht darin, die Preise stabil zu halten. Auf diese Weise können Zentralbanken am besten dazu beitragen, den Wohlstand der Menschen zu steigern.“

Europäische Zentralbank (EZB)

Doch was versteht die EZB unter stabilen Preisen?

Stabile Preise bedeuten, dass unser Geld morgen etwa genauso viel wert ist wie heute. Das gibt uns etwas Planungssicherheit, da wir schon vorab abschätzen können, wie sich die Preise durchschnittlich im Laufe der Zeit entwickeln werden. 

Preisstabilität bedeutet jedoch nicht, dass die Preise überhaupt nicht steigen. Es bedeutet vielmehr eine im positiven Bereich liegende, aber niedrige Teuerungsrate mit einem Anstieg des allgemeinen Preisniveaus in kleinen Schritten. In Zahlen ausgedrückt soll die jährliche Inflationsrate im gesamten Euro-Währungsgebiet „auf mittlere Sicht unter, aber nahe 2 %“ liegen. 

In den letzten 10 Jahren lag die durchschnittliche Inflation in Deutschland bei 1,3%.

Das maßgebliche Instrument dafür sind die Leitzinsen, die von der EZB festgelegt werden. Diese wirken sich auf die Höhe der Zinssätze aus, zu denen Geschäftsbanken ihren Kunden Kredite gewähren. Damit wiederum haben sie einen Einfluss auf die Verbraucherausgaben. Aufgrund der Corona-Situation werden auch andere Maßnahmen getroffen. Wer sich dafür interessiert, findet bei der EZB mehr Informationen. 

Da alle Euro-Länder den Verbraucherindex auf die gleiche Art berechnen (Harmonisierter Verbraucherpreisindex), ist es für die EZB möglich die Zielerreichung auch real zu messen. Berechnet wird der Harmonisierte Verbraucherindex von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union.  

Anschauen kannst du dir die Inflation für alle EU-Länder zusammen und für jedes EU-Land einzeln inklusive der verschiedenen Kategorien in diesem interaktiven Dashboard.

Was kannst du persönlich tun, um dein Geld vor der Inflation zu schützen? 

Die Regulation der Leitzinsen hat auch eine direkte Auswirkung auf dein Vermögen. Dir wird sicher schon aufgefallen sein, dass es bei den Banken für dein Guthaben so gut wie keine Zinsen mehr gibt bzw. die ersten Banken auch bei Privatkunden nun schon Negativzinsen auf Geldvermögen ab 50.000 Euro verlangen. 

Hier muss also dringend eine Alternative her! 

Wie du investieren kannst, um möglichst vor der Inflation geschützt zu sein? 

Das erfährst du im nächsten Artikel

Quellen: Website des Deutschen Statistischen Bundesamtes, Website der Europäischen Zentralbank, Website Eurostat, Website der Bundeszentrale für politische Bildung 




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