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Die Riester-Rente – Über Sinn und Unsinn einer gutgemeinten Maßnahme

Für eilige Leser

✓ Die Riester-Rente lohnt sich für die wenigsten
✓ Selbst vorzusorgen ist die bessere Alternative

Zum ersten Artikel dieser Reihe klicke hier.

Seit 2002 fördert der Staat die zusätzliche Altersvorsorge mit der Riester-Rente. Damit will er uns helfen die Rentenlücke zu schließen.

Doch tut er uns damit wirklich einen Gefallen? Die Zahlen sprechen nicht dafür.

Welche Bedingungen gelten, ob riestern für dich sinnvoll ist und was du am Ende wirklich herausbekommst, erfährst du hier.

Die meisten Deutschen denken, die Riester-Rente lohnt sich nicht für sie

Eine Umfrage im Jahr 2019 hat ergeben, dass 70 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 25 und 65 Jahren keinen Vertrag für eine Riester-Rente abgeschlossen hat (Stand 2019, Quelle).

Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern: Riestern hat in der Bevölkerung einen schlechten Ruf. Woran genau liegt das?

Gründe für das Fehlen einer Riester-geförderten Altersvorsorge aus dem Abschlussbericht "Verbreitung der Altersvorsorge"
Gründe für das Fehlen einer Riester-geförderten Altersvorsorge aus dem Abschlussbericht „Verbreitung der Altersvorsorge“ (Stand 2019, Quelle).

Die Mehrheit gab an, dass sich die Angebote nicht lohnen. Puh, das ist ein Schlag ins Gesicht für die Bundesregierung, die die Riester-Rente erfunden hat. Aber was sich nicht lohnt, wird auch nicht umgesetzt. So funktioniert es nunmal. Da hilft auch staatliche Förderung nicht viel.

Förderung heißt in diesem Zusammenhang, dass du eine Zulage bekommst und in der Einzahlphase Steuern sparst. Doch es gelten bestimmte Bedingungen, die erfüllt sein müssen, um beides zu erhalten. Und so ganz geschenkt gibt es im Leben dann doch nichts.

Bedingungen für die Riester-Rente

Viele Bedingungen sind eher formaler Natur. So muss der Altersvorsorgevertrag offiziell zertifiziert sein, damit du die Förderung bekommen kannst. Auflage ist z.B. dass bei Rentenbeginn mindestens die Summe der Einzahlungen zur Verfügung steht. Du bekommt also auf jeden Fall das wieder heraus, was du eingezahlt hast. Ehrlich gesagt ist das eher ein schwacher Trost.

Du musst förderberechtigt sein. Grob gesagt bist du das, wenn du in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert bist und daher von der Senkung des gesetztlichen Rentenniveaus betroffen bist. Während der Ansparphase darfst du auch in der EU oder einem Staat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) arbeiten.

Wichtiger hingegen ist, dass Die Beiträge aus deinem versteuerten Nettoeinkommen stammen müssen. Das ist ein großer Unterschied zur gesetzlichen Rente und zu vielen betrieblichen Altersvorsorgemodellen.

Der Mindesteigenbetrag, den du einzahlen musst, beträgt grundsätzlich 4% des rentenversicherungspflichtigen Einkommens des Vorjahres (aber maximal 2100 Euro). Diesen Betrag findest du in deiner „Jahresmeldung zur Sozialversicherung“. Du erhältst sie automatisch einmal im Jahr vom Arbeitgeber.

Vom Mindesteigenbetrag ziehst du die Zulagen ab und erhältst damit den Beitrag, den du selbst leisten musst. Klingt komplizierter als es ist. Nutze diesen Riester-Rechner für deinen konkreten Fall.

Ist der Betrag, den du dir leisten kannst, die sogenannte Eigenleistung, geringer als der Mindesteigenbetrag, verringert sich die staatliche Zulage entsprechend.

Als wäre das nicht schon komplex genug, gibt es noch den Sockelbeitrag: Um überhaupt Anspruch auf die staatliche Förderung zu haben, musst du mindestens 60 Euro im Jahr in den Riester-Vertrag einbezahlen.

Die Zulagen und Steuervorteile

Kommen wir aber zu der Förderung, die uns der Staat verspricht, wenn wir einen Riester-Vertrag abschließen.

Die Höhe der Zulage richtet sich nach der Höhe deines eingezahlten Betrags. Leistest du den Mindesteigenbetrag, erhältst du:

  • 175 Euro Grundzulage
  • 185 Euro für jedes Kind mit Geburt vor 2008
  • 300 Euro für jedes Kind mit Geburt nach 2008
  • 200 Euro einmalig, wenn du unter 25 bist

Du beantragst die Zulagen entweder jährlich oder über einen Dauerzulagenantrag, den du in der Regel automatisch vom Anbieter erhältst.

Für die Beträge, die du für die Riester-Rente aufwendest, musst du keine Steuern zahlen und kannst in der Steuererklärung in der „Anlage AV“ (oder über dein Steuerprogramm) einen Sonderausgabenabzug geltend machen. Alle nötigen Zahlen dazu findest du in der jährlichen Information deines Riester-Anbieters. Der Höchstbetrag liegt bei Ledigen/Ehepaaren bei 2100/2600 Euro.

Um die Steuervorteile zu erhalten, musst du der Datenübermittlung zustimmen, sodass der Vertragsanbieter die Höhe der gezahlten Beiträge an das Finanzamt melden kann. Nur dann werden sie für den Sonderausgabenabzug berücksichtig

Wichtig: Unterm Strich zahlst du doch Steuern, aber erst, wenn die Rente ausgezahlt wird und der eigene Steuersatz in der Regel niedriger ist als in der Ansparphase. Lies zu Details unbedingt auch diesen Artikel!

Für deine Einkommensteuer prüft das Finanzamt dann was für dich besser ist (sogenannte Günstigerprüfung): Die Steuerersparnis durch den Sonderausgabenabzug oder der Erhalt der Zulage. Ist nämlich der Sonderausgabenabzug vorteilhafter, erhältst du die zusätzliche Steuerermäßigung noch extra. Also besser immer die Zulage beantragen!

Auf Renten aus Riester-Verträgen musst du in der Auszahlphase grundsätzlich keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen. Die hast du nämlich schon beim Einzahlen geleistet, da die Beiträge ja aus deinem Nettoeinkommen kommen.

Besonderheiten beim Riestern

Du kannst einen Riester-Vertrag nicht einfach so kündigen. Das fand ich erst irritierend, macht aber aus Sicht des Staates Sinn. Du erhältst eine Förderung, damit du später mehr Rente bekommst. Würdest du den Vertrag kündigen, könntest du davon z.B. in den Urlaub fahren. Das ist nicht Sinn der Sache, deshalb ist eine klassische Kündigung nicht möglich. Würdest du das doch tun, läge eine sogenannte schädliche Verwendung vor und du musst alle Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen.

Du kannst dir aber bis zu 30 Prozent des bei Rentenbeginn bestehenden Vertragsguthabens in einer Summe als Kapitalabfindung auszahlen lassen. Die übrigen 70 Prozent werden in eine lebenslange Rente umgewandelt. Wichtig zu wissen dabei: Diese Kapitalauszahlung ist sofort voll zu versteuern.

Was aber möglich ist, ist den Vertrag beitragsfrei zu stellen. Das bedeutet, dass du keine weiteren Beiträge einzahlst, der Vertrag aber fortbesteht und du eine Rente erhalten wirst. Das eingezahlte Geld kann grundsätzlich nicht übertragen oder gepfändet werden.

Eine Sonderform ist der so genannte Wohnriester. Als Riester-Sparer erhält man aus dem Vertrag Kapital für den Kauf oder Bau einer Wohnung. Man kann den Wohnriester aber auch dazu nutzen, um ein Immobilien-Darlehen abzutragen.

Besonders wichtig ist folgende Information, wenn du planst später einmal im Ausland zu leben und dort deine Rente zu genießen. In der Ansparphase gilt: Wenn du deinen Wohnsitz in einen Staat außerhalb der EU bzw. des EWR verlegst, kannst du die bisher erlangte Förderung nur behalten, wenn du einen Stundungsantrag stellst und den Wohnsitz später wieder nach Deutschland zurückverlegst. Ansonsten wird die Förderung unverzüglich zurückgefordert (weitere Form der schädlichen Verwendung).

In der Auszahlungsphase gilt: Wenn du deinen Wohnsitz in einen Staat innerhalb der EU bzw. des EWR verlegst, bleibt die bisher gewährte Förderung erhalten. Wenn du deinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in einen Staat außerhalb der EU bzw. des EWR verlegst, dann wird die erhaltene staatliche Förderung zurückgefordert. Auch hier kann wieder ein Stundungsantrag gestellt werden und falls du wieder den Wohnsitz in Deutschland aufnimmst, kann der Restbetrag der Forderung auf Antrag erlassen werden.

Für wen lohnt sich ein Riester-Vertrag?

Aufgrund der Art der Zulagen-Struktur lohnt sich ein Riester-Vertrag (wenn überhaupt) für kinderreiche Familien und Wenigverdiener. Denn je weniger du einzahlen musst, desto höher ist prozentual gesehen der Teil, den du vom Staat geschenkt bekommst.

Andererseits können die Kosten eines Riester-Vertrags auf die Gesamtvertragsdauer gesehen höher sein als die Gewinne, die erwirtschaftet werden. Und die sind in den gerade vorherrschenden zinsfreien Zeiten eher gering. Das liegt auch daran, dass du zu Renteneintritt mindestens die Summe herausbekommen musst, die du hineingezahlt hast. Dadurch riskieren die Anbieter nichts und so kannst du dir die Kosten auch gleich sparen.

Fazit für mich persönlich

Ich besitze gleich mehrere Riester-Renten, aber nicht, weil ich mich selbst dafür entschieden hätte. Jeder meiner bisherigen Arbeitgeber hatte ein anderes Betriebsrentenmodell (mehr zur Betriebsrente hier) und wenn ich dafür aus dem Nettogehalt einzahlen musste, dann habe ich natürlich die Riester-Förderung mitgenommen. Immerhin muss ich später auf die Rente keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge leisten. Was aber auch nur ein schwacher Trost ist bei den geringen Zinssätzen, die bei meinen Verträgen garantiert werden. Daher habe ich nach dem Arbeitgeberwechsel die Verträge beitragsfrei gestellt und nicht privat weitergeführt. Stattdessen sorge ich lieber anders vor.

Im nächsten Teil der Reihe erfährst du mehr zum Thema betriebliche Altersvorsorge …

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Quellen: Website der Deutschen Rentenversicherung, Website der BaFin


Die ganze Reihe zur Rente

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