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Die gesetzliche Rente – Fakten, die du kennen solltest

Für eilige Leser

✓ Je länger du einzahlst, desto früher kannst du in Rente gehen
✓ Je mehr du einzahlst, desto höher wird deine Rente
✓ Je später du die Rente beantragst, desto höher wird der Betrag

Zum ersten Artikel dieser Reihe klicke hier.

Die gesetzliche Rente ist derzeit noch der wichtigste Pfeiler der Altersvorsorge in Deutschland. Doch das Rentenniveau sinkt immer weiter ab und die Frage, ob die Rente noch ausreichen wird, ist klar beantwortet: Nein, wird sie nicht.

Daher ist die Beschäftigung mit dem Thema Altersvorsorge wichtiger denn je zuvor.

Wenn du im Alter einmal finanziell unabhängig sein willst, solltest du dich auf jeden Fall auch mit der gesetzlichen Rente auseinandersetzen. Denn nur wenn du das System verstehst, weißt du wie viel Rente du einmal erwarten kannst und wie viel du selbst vorsorgen solltest.

Die Rentenbeiträge

Wenn du einen genaueren Blick auf deinen Gehaltszettel wirfst, siehst du, dass jeden Monat vom Brutto-Monatsgehalt automatisch Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung abgezogen und zur Rentekasse überwiesen werden. Als Nachweis für die Zahlung dienen die monatliche Gehaltsabrechnung oder die jährlich vom Arbeitgeber ausgestellte Bescheinigung.

Sobald du dauerhaft über 450 Euro im Monat verdienst, bist du versicherungspflichtig beschäftigt, d.h. du musst Rentenbeiträge zahlen. Der Beitrag liegt derzeit pauschal für alle bei 18,6%. Zum Glück teilt man sich diesen Beitrag aber mit dem Arbeitgeber, sodass vom Brutto-Gehalt nur 9,3% abgezogen werden. Wie in der Einführung dieser Reihe dargestellt, wird dieser Betrag aber in Zukunft ansteigen.

Die Deutsche Rentenversicherung führt für jeden Versicherten ein Konto zu den eingezahlten Beträgen. Die zum Konto passende Versicherungsnummer wird zumeist bei der erstmaligen Aufnahme einer Beschäftigung vergeben und grundsätzlich nicht mehr verändert.

Prinzipiell gilt: Je länger du Beiträge einzahlst und je höher diese sind, umso höher wird auch deine spätere Rente ausfallen. Der Beitrag ist aber gedeckelt und wird pro Jahr nur bis zur sogenannten Beitragsbemessungsgrenze fällig. Für den darüberliegenden Betrag muss man keinen Beitrag zahlen. Derzeit (Stand 2021) liegt die Beitragsbemessungsgrenze bei 82.800 Euro in den alten bzw. 77.400 Euro in den neuen Bundesländern. Er bezieht sich auf dein Bruttoeinkommen.

Fakten über die gesetzliche Rente

Je länger du einzahlst, desto früher kannst du in Rente gehen

Rente gibt es ab 67, oder? Jein, denn das gilt nicht für jeden. Wenn man sehr lange in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, kann man unter Umständen auch schon früher in Rente gehen. Dafür muss man aber bestimmte Zugangsbedingungen erfüllen. Dazu zählen ein bestimmtes Lebensalter und eine bestimmte Mindestversicherungszeit (die sogenannte Wartezeit).

Außerdem unterscheidet man zwischen der Mindestaltersgrenze (frühest möglicher Zeitpunkt für den Renteneintritt; man muss Abschläge, d.h. Kürzungen der Rente in Kauf nehmen) und der Altersgrenze für eine abschlagsfreie Zahlung der Altersrente (siehe unten).

In der Regel lohnt es sich nicht früher in Rente zu gehen.

Die Regelaltersrente

Die Regelaltersrente ist die Rente von der man immer wieder in den Nachrichten hört. Oder von der man sonst üblicherweise spricht. Früher konnte man sie mit 65 Jahren beantragen. Die Altersgrenze wird derzeit aber schrittweise auf 67 Jahre angehoben (für alle ab 1964 geborenen).

Die meisten Menschen erfüllen die Voraussetzungen für diese Rente. Denn es bekommt nicht jeder automatisch diese Rente. Um dich dafür zu qualifizieren, musst du mindestens 5 Jahre Versicherungszeit vorweisen. Das heißt du musst mindestens 5 Jahre als Arbeitnehmer rentenversicherungspflichtig gearbeitet haben. Oder die Beiträge wurden für dich bezahlt, weil du z.B. arbeitslos warst.

Du fragst dich gerade, ob du rentenversicherungspflichtig gearbeitet hast? Falls du Angestellter bist, dann hast du das. Ausnahmen sind z.B. Beamte oder Selbständige. Hier gelten eigene Regeln.

Wenn du schon einmal eine sogenannte Renteninformation erhalten hast, dann hast du die Mindestversicherungszeit von 5 Jahren erreicht und damit Ansprucht auf Regelaltersrente.

Warum die Renteninformation für dich so wichtig ist und was sie bedeutet, erfährst du in Teil 2.

Übrigens: Wenn du zwischen 5 und 35 Jahren rentenversicherungspflichtig gearbeitet hast, darfst du die Rente nicht vorzeitig, d.h. nicht vor deinem 67. Lebensjahr in Anspruch nehmen.

Die Altersrente für besonders langjährige Versicherte

Falls du dagegen mindestens 45 Jahren Versicherungszeit aufweisen kannst, hast du es dir redlich verdient früher in Rente zu gehen. Es ist daher ab einem Alter von 63 Jahren möglich, wobei diese Altersgrenze derzeit schrittweise auf 65 Jahre (für die ab 1964 geborenen) erhöht wird.

Es werden diverse Zeiten für die 45 Jahre berücksichtigt: u.a. Minjobs, Zeiten von Kindererziehung, Pflege, Wehr- und Zivildienst, Zeiten mit Übergangsgeld, Kranken- oder Verletztengeld und Arbeitslosengeld.

Die Altersrente für langjährig Versicherte

Schaffst du immerhin mindestens 35 Jahre Versicherungszeit (z.B. inklusive sogenannter Anrechnungszeiten wie Arbeitslosigkeit, Erziehungzeiten, Schul- oder Studienzeiten), dann kannst du ebenfalls ab 63 Jahren in Rente gehen, wenn du mit Abschlägen, d.h. einer reduzierten Rente, leben kannst. Ohne Abschläge können diese Rente ab 1964 geborene mit 67 Jahren beantragen.

Der einzige Vorteil gegenüber der Regelaltersrente ist also, dass man ggfs. früher in Rente gehen kann. Wobei sich das finanziell kaum lohnt.

Je mehr du einzahlst, desto höher wird die Rente

Die Rente ist ein Spiegelbild deines gesamten Lebens – nicht nur des Arbeitslebens übrigens. Denn es werden sowohl Beitragszeiten als auch beitragsfreie Zeiten berücksichtigt. Die Deutsche Rentenversicherung speichert alle rentenrechtlich relevanten Zeiten in deinem persönlichen Versicherungskonto. Dabei gilt: Jeder eingezahlte Euro zählt!

Doch wie funktioniert das im Detail?

Wenn du im Jahr 2021 41.451 Euro verdient (Durchschnittsverdienst aller Einzahler in die Rentenversicherung), dann erhältst du dafür 1 sogenannten Entgeltpunkt. Ist dein Gehalt höher oder niedriger als der Durchschnittsverdienst des entsprechenden Jahres, dann erhältst du auch entsprechend mehr oder weniger Entgeltpunkte. Und das auf 4 Stellen nach dem Komma genau. Ein Entgeltpunkt führt zurzeit (Stand 2021) zu einer Monatsrente von 34,19 Euro in den alten und 33,23 Euro in den neuen Bundesländern.

Klingt erstmal komisch? In Teil 2 erfährst du mehr zum aktuellen Stand deiner Rentenpunkte und wie hoch deine gesetzliche Rente voraussichtlich einmal sein wird.

Es lohnt sich die Rente später zu beantragen

Wenn du 35 Jahre Versicherungszeit nachweisen kannst und früher als gesetzlich vorgesehen in Rente gehen möchtest, muss du Abschläge in Kauf nehmen. Jeder Monat früherer Rentenzahlungen kostet dich bares Geld, denn die Rente wird für jeden Monat früher um 0,3% gekürzt. Das sind pro Jahr vorzeitigen Rentenbezugs 3,6%. Insgesamt kann sich dieser Betrag auf maximal 14,4% erhöhen. Diesen Abschlag musst du dann lebenslang akzeptieren. Eine frühere Beantragung sollte also wohl überlegt sein.

Wenn du planst früher in Rente zu gehen, kannst du Rentenabschläge übrigens durch Sondernzahlungen ab dem 50. Lebensjahr ganz oder teilweise ausgleichen. Gehst du dann doch nicht früher in Rente bekommst du eben mehr Rente. Erstattet werden können die Sonderzahlungen nicht. Im Detail berät dazu die Deutsche Rentenversicherung

Wichtig zu wissen: Arbeitest du dagegen über die Regelaltersgrenze hinaus, dann erhöht sich der Rentenanspruch gleich zweifach: Durch die vermehrten Einzahlungen der Beiträge und durch einen Zuschlag für spätere Beantragung der Rente bei der Berechnung in der Rentenformel.

Denn du musst nicht in Rente gehen, sobald du die 67 Jahre alt geworden bist!. Wenn du mit der Beantragung warten kannst, erhöht sich dein Rentenanspruch! Und das auch, wenn du nicht weiter Beiträge einzahlst. Der Staat gewährt unabhängig davon einen Zuschlag von 0,5% für jeden Kalendermonat, den du nach Erreichen der Regelaltersgrenze die Rente noch nicht in Anspruch nimmst! Das sind z.B. nach einem Jahr 6% mehr pro Monat. Lebenslang.

Wenn du also selbst fürs Alter vorgesorgt hast, dann lass dir Zeit mit der Beantragung der gesetzlichen Rente. 6% Rendite bis ans Ende deines Lebens sind ein fantastischer Deal! Und das für nur ein Jahr warten.

Kindererziehung wirkt sich positiv auf die Rente aus

Während der Kindererziehung zahlt der Staat die Rentenbeiträge ein, falls du nicht arbeitest. Die Kindererziehungszeit wird allerdings nur einem Elternteil zugeordnet, in der Regel der Mutter. Für Kinder mit Geburt vor dem 1. Januar 1992 beträgt die für die Rente anerkannte Kindererziehungszeit 30 Monate, danach 36 Monate. Für diese Zeit wird dir höchstens 1 Entgeltpunkt pro Jahr anerkannt.

Zusätzlich kann das überwiegend erziehende Elternteil auch Berücksichtigungszeit für Kindererziehung erhalten. Diese beginnt mit dem Tag der Geburt und endet nach 10 Jahren. Für diese Zeit erhältst du zwar keine Entgeltpunkte, sie trägt aber z.B. zur Erfüllung der Wartezeiten bei. So ist es dann auch für Eltern möglich 35 oder 45 Jahre vollzubekommen.

Besonderheit Minijob

Bis zu einem Verdienst von 450 Euro bist du ebenfalls versicherungspflichtig in der gesetzlichen Rentenversicherung. Aber: der Arbeitgeber zahlt 15% und der Eigenanteil liegt bei nur 3,6%. Das entspricht zusammen dem normalen Beitragssatz von 18,6%. Aufgrund des geringen Gehalts sammelst du aber nur wenige Entgeltpunkte an.

Übrigens: Die Rente kann auch ins EU-Ausland gezahlt werden

Den Lebensabend im (günstigeren) Ausland zu verbringen, hat sicher für einige einen gewissen Reiz. Doch solltest du vorab auf jeden Fall die Auswirkungen auf die Rente und die Kranken- und Pflegeversicherung bedenken. Für die Sozialversicherung haben die europäischen Staaten zum Gück aber Regelungen getroffen, um Nachteile auszuschließen.

In der Regel bekommst du die volle deutsche Rente weiter, wenn du deinen Wohnsitz in einen anderen EU-Mitgliedsstaat verlegst. Das gilt zusätzlich auch für Island, Norwegen, Liechtenstein und die Schweiz.

Bist du allerdings dauerhaft außerhalb dieser Staaten, kann die Rente ggfs. nicht mehr in vollem Umfang gezahlt werden. Das solltest du rechtzeitig prüfen und mit der Deutschen Rentenversicherung klären! Relevant ist dieser Punkt auch für die Riesterrente. Hier musst du ggfs. die staatliche Förderung zurückbezahlen! Mehr dazu hier.

Nur am Rande: Auch wenn du im (EU-)Ausland gearbeitest hat, erwirbst du Rentenansprüche. Hast du die Voraussetzung für die Rente erfüllt, die in diesem Land gilt, dann zahlt grundsätzlich jeder Mitgliedstaat die Leistung aus den dort zurückgelegten Zeiten.

Wie viel Rente wirst du einmal erhalten? – Verstehe deine Renteninformation

Hast du mindestens 5 Jahre lang Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt und damit Anspruch auf die gesetzliche Rente, erhältst du ab dem 27. Geburtstag einmal im Jahr eine Renteninformation. Sie enthält den aktuellen Stand deiner bisher erworbenen Rentenansprüche und eine Hochrechnung zur Höhe deiner voraussichtlichen Altersrente.

Wenn du mindestens 50 Jahre alt bist, kannst du eine besondere Rentenauskunft beantragen. Darin erfährst du, welche Voraussetzung du erfüllst und welche Altersrente du ab welchem Alter beantragen kannst. Außerdem welche Rentenminderung sich ergibt, wenn du früher in Rente gehen willst. Nach Vollendung des 55. Lebensjahres bekommst du diese Rentenauskunft alle drei Jahre automatisch zugesandt.

Damit die Deutsche Rentenversicherung berechnen kann, wie viel Rente du erhalten wirst, muss das eigene Versicherungskonto lückenlos sein, d.h. alle Versicherungszeiten und Lebensumstände müssen dokumentiert sein. Nur ein vollständiges und aktuelles Versicherugskonto bietet eine belastbare Grundlage für aussagekräftige Rentenauskünfte und Renteninformationen. Daher solltest du wenige Jahre vor Rentenbeginn eine sogenannte Kontenklärung durchführen und ggfs. vorhandene Lücken füllen.

Wie hoch wird voraussichtlich deine gesetzlichen Rente sein? Erfahre es im nächsten Artikel

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Quelle: Website der Deutschen Rentenversicherung


Die ganze Reihe zur Rente

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