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Die gesetzliche Rente – Wie viel bleibt im Alter nach Steuern und Abgaben wirklich übrig?

Für eilige Leser

✓ Deine Rente reduziert sich noch um Steuern und Krankenkassenbeiträge
✓ Wenn du jetzt keine Steuerklärung machst, verschenkst du Geld

Zum ersten Artikel dieser Reihe klicke hier.

Du hast dir deine Renteninformation angesehen und gedacht: Davon soll ich einmal leben? Das kann ein ganz schöner Schock sein, besonders, wenn du noch jünger bist.

Was dir vielleicht noch nicht bewusst ist: Von diesem Betrag werden noch Steuern und Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen. Dadurch wird der Betrag noch geringer.

Wie viel im Detail und wie viel dann übrig bleibt, erfährst du hier.

Die Besteuerung der Beiträge und der Rente

Die Renten werden in zunehmendem Maße „nachgelagert“ besteuert. Das bedeutet, dass du einerseits deine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung von der Steuer absetzen kannst (mache deshalb unbedingt eine Steuerklärung, sonst verschenkst du dieses Geld!). Andererseits musst du die Rente bei der Auszahlung – wie anderes Einkommen auch – versteuern. Und zwar alles was den Grundfreibetrag von 9.408 Euro übersteigt (Stand 2020).

Seit 2005 (bis 2025) werden die Rentenbeiträge für die gesetzliche Rente schrittweise von der Steuer freigestellt. Das heißt, dass die Beiträge, die du zahlst steuerfrei sind. Machst du eine Steuererklärung, bekommst du die gezahlten Steuern zurück. Zusätzlich sind Beiträge für bestimmte private Altersvorsorgeverträge (siehe Teil 4 und Teil 5 dieser Reihe) steuerlich abzugsfähig. Auch hier bekommst du Geld zurück, wenn du deine Steuerklärung machst.

Aber so ganz geschenkt ist das Geld natürlich nicht: Dafür musst du als Renter einen höheren Anteil oder die gesamte Rente versteuern. Das hängt davon ab, wann du in Rente gehen wirst:

Wird man erst 2040 oder später Rentner, dann muss man die Rente voll versteuern.

Deutsche Rentenversicherung

Für die meisten von uns ist die nachgelagerte Besteuerung vorteilhaft, weil das Einkommen und damit der Steuersatz während der Arbeitsphase höher ist als während der Zeit in der man Rente erhält. Dann profitieren wir nämlich von einem niedrigeren Steuersatz.

Übrigens: Die Website Steuerlotse, die im Auftrag des Bundesministeriums der Finanzen entwickelt wurde, bietet Rentnern und Pensionären, die keine weitere Einkünfte haben, die Möglichkeit, ihre Steuererklärung einfach und ohne besonderes Vorwissen zu machen.

Sonderausgabenabzug bei der Einkommenssteuererklärung während des Arbeitslebens

Was genau kannst du von der Steuer absetzen und wie machst du das? Entweder macht das dein Steuerberater oder deine Steuersoftware mehr oder weniger automatisch oder du gibst den Sonderausgabenabzug für Altersvorsorgeaufwendungen in der „Anlage AV“ an. Den richtigen Wert dafür findest du in deiner Lohnsteuerjahresbescheinigung, die du vom Arbeitgeber erhältst.

Daneben gibt es noch eine weitere Möglichkeit sonstige Vorsorgeaufwendungen (auch in der „Anlage AV“) anzugeben. Hier kannst du die Sozialversicherungsbeiträge zur Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung (die Werte findest du auch in der Lohnsteuerjahresbescheinigung) sowie sonstige Kosten (z.B. für eine private Unfall- und Haftpflichtversicherung) geltend machen. Der Höchstbetrag dafür liegt derzeit bei 1900 Euro (Stand 2021).

Kranken- und Pflegeversicherung während der Rentenphase

Während der Rente bist du genauso kranken- und pflegeversichert wie im bisherigen Arbeitsleben. Und genauso müssen dafür Beiträge gezahlt werden.

Zusammen mit dem Rentenantrag stellst du einen Antrag zur Aufnahme in die Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner. Die Pflegekassen sind bei den jeweiligen Krankenkassen eingerichtet. Somit bist du bei deiner Krankenkasse gleichzeitig kranken- und pflegeversichert.

Als versicherungspflichtiger Rentner zahlst du (Stand 2021):

  • die Hälfte des Beitrags zur Krankenversicherung (derzeit 14,6%)
  • die Hälfte des Zusatzbeitrags (hängt von der Krankenkasse ab)
  • den vollen Beitrag zur Pflegeversicherung (3,05%. Kinderlose Rentner zahlen einen Zuschlag von 0,25%)

Die andere Hälfte des Krankenversicherungsbeitrags zahlt der Rentenversicherungsträger, d.h. die für dich zuständige Behörde der Deutschen Rentenversicherung (Quelle).

Die Beiträge werden automatisch von der Rente abgezogen und überwiesen. Wenn du freiwillig bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert bist, musst du deine Beiträge selbst an die Kranken- und Pflegeversicherung überweisen.

Immerhin: Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung kannst du als Rentner wieder von der Steuer absetzen (Anlage AV). Mit etwas Glück schaffst du es damit dein Einkommen unter den Grundfreibetrag zu drücken (siehe oben) und musst dann keine oder weniger Steuern auf die Rente zahlen.

Wichtig:

  • Die Beträge zur Krankenversicherung aus z.B. aus selbständiger Tätigkeit, Betriebsrenten, der Zusatzversorgung des öffentlichen Diensten (z.B. VBL), Witwen/Witwergeld u.a muss du in voller Höhe alleine tragen.
  • Für Betriebsrenten gilt im Jahr 2021 ein monatlicher Freibetrag in Höhe von 164,50 Euro. Du musst nur für den Teil deiner z.B. Betriebsrente Krankenversicherungsbeiträge zahlen, der über diesem Freibetrag liegt. Beziehst du mehrere Betriebsrenten, gilt der Freibetrag für die Summe der Renten!
  • Insgesamt musst du Beiträge nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung zahlen (im Jahr 2021: 4837,50 Euro monatlich).

Fazit für mich persönlich

Bei der gesetzlichen Rente hat man keine Wahl, ob man mitmachen will oder nicht. Sie ist eine Pflichtversicherung. Es gibt auch fast keine Optimierungsmöglichkeiten, außer mehr und länger Geld zu verdienen, damit man mehr Entgeltpunkte erhält.

Immerhin: Der bisher erworbene Anspruch verfällt nicht, d.h. die bisher angesparten Entgeltpunkte sind mir sicher. Fraglich ist nur, wie viel sie in über 30 Jahren wert sein werden. Der aktuelle Rentenwert wird jedes Jahr angepasst und kann nicht sinken (mehr dazu hier). Aber auch ein stagnierender Wert verliert aufgrund der Inflation immer mehr an Kaufkraft.

Ob ich 35 oder 45 Jahre versicherungspflichtige Zeit vollbekomme, kann ich jetzt noch nicht abschätzen. Ob ich früher in Rente gehen könnte, bleibt somit unklar. Ich sehe das aber auch nicht als ernsthafte Option an, denn durch die Abschläge würde ich (zu) viel Geld verlieren. Ich werde auf jeden Fall versuchen die gesetzliche Rente so spät wie möglich zu beantragen, um Zuschläge zu bekommen. Jedes Jahr, das man die Rente nach 67 Lebensjahren beantragt, bringt 6% mehr Rente pro Monat. Lebenslang.

Wie du siehst, gibt es viele Faktoren, welche die Höhe deiner gesetzlichen Rente beeinflussen können und werden. Noch komplexer wird es, wenn du eine Riesterrente abgeschlossen hast. Wer dazu im nächsten Teil dieser Reihe.

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Deine nächsten Schritte zur Ermittlung deiner Rentenlücke

  • Suche deine letzte Renteninformation
  • Notiere deinen aktuellen Rentenanspruch, wenn du so weiter verdienst wie bisher
  • Werde dir bewusst, dass sich deine Rente durch Steuern, Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge noch reduzieren wird

Quelle: Website der Deutschen Rentenversicherung

Die ganze Reihe zur Rente

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