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Betriebliche Altersvorsorge – Lohnt sich das?

Für eilige Leser

✓ Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge
✓ Viele Vertragsarten und Jobwechsel machen Vergleiche unübersichtlich
✓ Selbst vorzusorgen ist die bessere Alternative

Zum ersten Artikel dieser Reihe klicke hier.

Die gesetzliche Rente wird nicht mehr ausreichen. Das ist ein Fakt. Staatlich gefördert werden alternativ die Riester-Rente oder die betriebliche Altersvorsorge. Letztere muss sogar von jedem Arbeitgeber angeboten werden.

Doch welche Vor- und Nachteile hat eine betriebliche Altersvorsorge?

Lies weiter und erfahre mehr zu diesem wichtigen Thema!

Wie viele Verträge zur betrieblichen Altersvorsorge machen Sinn?

Kürzlich stand meine Steuerklärung für das letzte Jahr an und so machte ich mich daran meine Unterlagen zu sortieren und alle nötigen Zahlen einzutragen. Durch meinen Arbeitgeberwechsel im letzten Jahr kamen Belege für die neue betriebliche Altersvorsorge hinzu. Denn mittlerweile habe ich bei drei Arbeitgebern drei verschiedene betriebliche Altersvorsorgeverträge abgeschlossen/abschließen müssen.

Gut gemeint, aber nicht gerade leicht nachzuvollziehen war dabei die Tatsache, dass der neue Vertrag mehrere Bausteinen vorsieht. Jeder davon mit anderen Regelungen und Voraussetzungen.

Die ganzen Angaben rund um Sonderausgabenabzug und Entgeltumwandlung fand ich dann dermaßen verwirrend, dass ich mich entschloss die Hotline des Anbieters anzurufen und mich informieren zu lassen. Doch je mehr Fragen ich stellte, desto unwissender kam ich mir vor. Das wurde auch noch unterstrichen von dem etwas vorwurfsvollen Ton der dennoch freundlichen Dame mit dem charmanten hessischen Dialekt, die sich geduldig mit mir unterhielt.

Im Anschluss waren die wichtigsten Aspekte einigermaßen klar, doch mein Interesse war nun tiefergehend geweckt. Denn immerhin geht es hierbei um mein Geld und meine Rente, von der ich einmal leben werde. Und so begann ich zu recherchieren und es entstand diese Reihe über die Rente dabei.

Entscheidend war für mich dabei die Frage: Wie viel Rente werde ich einmal aus meinen Verträgen zur betrieblichen Altersvorsorge herausbekommen?

Welche Arten der betrieblichen Altersvorsorge gibt es?

In Deutschland sorgen 54% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 25 und 65 Jahren mit einer betrieblichen Altersversorgung für das Alter vor (Stand 2019, Quelle). Dabei gilt: Je größer das Unternehmen ist, in dem man arbeitet, desto wahrscheinlicher ist das Vorhandensein dieser zusätzlichen Vorsorgeform.

Arbeitgeber haben prinzipiell 5 Optionen (offiziell Durchführungswege genannt) deine Beiträge anzulegen:

  • Direktzusage: Die Rente wird dir direkt vom Arbeitgeber gezahlt. Er bildet dafür Rücklagen, die insolvenzsicher sind.
  • Unterstützungskasse: Die Rente wird nicht vom Arbeitgeber direkt, sondern von einer rechtlich selbständigen Versorgungseinrichtung gezahlt. Du hast formal keinen Rechtsanspruch auf die zugesagten Leistungen.
  • Direktversicherung: Die Rente wird dir von einer Versicherungsgesellschaft gezahlt.
  • Pensionskasse: Die Rente wird dir nicht vom Arbeitgeber direkt, sondern von einer rechtlich selbständigen Versorgungseinrichtung gezahlt. Es besteht Rechtsanspruch auf die zugesagten Leistungen.
  • Pensionsfonds: Die Rente wird dir nicht direkt vom Arbeitgeber, sondern von einer rechtlich selbständigen Versorgungseinrichtung gezahlt. Im Unterschied zu den anderen Optionen, dürfen Pensionsfonds das angesammelte Versorgungskapital stärker in Aktien und Investmentfonds anlegen.

Beiträge in Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds können Riester gefördert werden, aber nur, falls die Beiträge aus dem versteuerten Arbeitseinkommen gezahlt werden. Dazu zählen allerdings keine Sonderzahlungen (z.B. Urlaubsgeld oder 13. Monatsgehalt), die pauschal versteuert werden. Auch nicht förderfähig sind Verträge, die statt einer monatlichen Rente ausschließlich eine Einmalauszahlung vorsehen.

Das aufgebaute Betriebsrentenkapital kannst du in manchen Fällen zu einem neuen Arbeitgeber mitnehmen (Pensionskasse, Direktversicherung, Pensionsfonds). Aber Achtung, das macht nur Sinn, wenn der Zinssatz seither nicht gesunken ist. Ansonsten besser beim neuen Arbeitgeber einen neuen Vertrag abschließen und den alten beitragsfrei stellen oder mit eigenen Beiträgen fortsetzen.

Wenn dein Arbeitgeber Anwartschaften (mit-)finanziert, sind die Beiträge des Arbeitgebers erst nach drei Jahren unverfallbar. Wichtig daher: Kündigst du vorher deinen Job, erhältst du die Betriebsrente nur auf deine selbst eingezahlten Beiträge. Also gut aufpassen, wann die drei Jahre vorbei sind, wenn du vorhast zu kündigen!

Entgeltumwandlung aus dem Bruttoentgelt

Jeder Arbeitnehmer, der in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist, hat einen Rechtsanspruch auf eine Betriebsrenteneinzahlung, zumindest auf Entgeltumwandlung (wenn der Tarifvertrag die Umwandlung zulässt). Dabei werden Teile des Brutto-Verdienstes, also bevor Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden, vom Arbeitgeber in eine betriebliche Altersversorgung seiner Wahl eingezahlt. Du selbst kannst dir den Anbieter dabei nicht aussuchen.

Im Jahr 2021 können maximal 3408 Euro pro Jahr umgewandelt werden (4% der Beitragsbemessungsgrenze West von 85.200 Euro).

Das Problem dabei: Die Entgeltumwandlung kann Auswirkungen auf die Höhe deiner gesetzlichen Rente haben, da aufgrund der Brutto-Umwandlung weniger Sozialversicherungsbeiträge und damit auch weniger Rentenbeiträge eingezahlt werden. Entsprechend erhältst du weniger Entgeltpunkte und die spätere gesetzliche Rente fällt geringer aus. Wenn dein Gehalt allerdings über der Beitragsbemessungsgrenze liegt (7100 Euro im Westen, 6700 Euro im Osten; Brutto; Quelle), dann reduziert umgewandeltes Gehalt nicht die Einzahlung in die staatliche Rentenkasse, da dort schon der maximale Betrag eingezahlt wurde.

Die eingezahlten Beiträge sind sofort unverfallbar, d.h. der Anspruch auf Altersversorgung bleibt auch dann bestehen, wenn du das Unternehmen verlässt. Du kannst den Vertrag dann entweder aus dem Netto weiter finanzieren oder beitragsfrei stellen. Kündigen darfst du den Vertrag aber nicht.

Steuern und Abgaben in der Auszahlphase

Bei der Entgeltumwandlung musst du in der Ansparphase zunächst keine Steuern zahlen. Dafür aber in vollem Umfang in der Auszahlphase, mit dem dann geltenden, in der Regel niedrigeren Steuersatz (als „sonstige Einkünfte“). Außerdem musst du in der Regel volle Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen.

Allerdings gibt es einen Freibetrag (für die gesetzliche Krankenversicherung) und eine Freigrenze (für die soziale Pflegeversicherung), die die Beitragsbelastung verringern. In 2021 liegt dieser Betrag bei 164,50 Euro im Monat als Summe (!) aller Versorgungsbezüge neben der gesetzlichen Rente.

Für Betriebsrenten, für die in der Ansparphase die Riester-Förderung in Anspruch genommen wurde (Beiträge aus dem versteuerten und sozialversicherungspflichtigen Nettoentgelt; dafür kann man für diese Beiträge aber den Sonderausgabenabzug geltend machen), müssen seit 2018 in der Regel keine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt werden. Die Rente wird aber ebenso in vollem Umfang besteuert.

Fazit für mich persönlich

Bei allen meinen bisherigen Arbeitgebern musste ich eine betriebliche Altersvorsorge aufbauen. Glücklicherweise aber nicht für alle selbst einzahlen. Teilweise erfolgte die Einzahlung als freiwillige Arbeitgeberleistung. Also geschenktes Geld für die Rente. Es stand mir frei noch weiteres Geld aus meinem Einkommen einzuzahlen. Das habe ich im ersten Jahr auch gemacht, bis mir aufgegangen ist, dass ich zusätzlich zur Steuer (Prozentsatz noch nicht abschätzbar) auf die resultierende Betriebsrente volle Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge (14,6% + Zusatzbeitrag + 3,3% = >18%!!) zahlen muss. Daraufhin habe ich meine zusätzlichen Einzahlungen eingestellt.

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  • Werde dir bewusst, dass sich deine Rente durch Steuern, Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge noch reduzieren wird
  • Notiere deinen aktuellen Rentenanspruch aus eventuell vorhandenen Riester-Verträgen
  • Notiere deinen aktuellen Rentenanspruch aus eventuell vorhandener betrieblicher Altersvorsorge

Weiter geht’s im nächsten Teil

Quelle: Website der Deutschen Rentenversicherung


Die ganze Reihe zur Rente

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