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Warum der MSCI World ETF nicht das ist, was du denkst!

Du bist von der Anlage in ETFs überzeugt und hast nach einem Kostenvergleich das für dich optimale Depot eröffnet? Super, der erste Schritt, um finanziell unabhängiger zu werden, ist damit getan! Der nächste allerdings kann eine ganz schöne Herausforderung sein: die Auswahl des richtigen ETFs. 

Denn selbst, wenn du dich nach deiner bisherigen Recherche für einen bestimmten Index entschieden hast, wirst du bei der ETF-Suche feststellen, dass es eine Unmenge an ETFs für den gleichen Index gibt und die ETF-Namen zudem vor Abkürzungen strotzen. 

Du bist hier genau richtig, wenn du mehr über die verschiedenen Indizes und typischen Abkürzungen in ETF-Namen erfahren willst. Dir sagt ein Begriff nichts? Dann schau unten im Abkürzungsverzeichnis ↓ nach!

Lies weiter und erfahre mehr! 

Diversifikation ist das A und O jedes Portfolios

Es gibt verschiedene Arten von Indizes: „historisch gewachsene“ und „moderne“ Indizes. Zu den historisch gewachsenen zählen z.B. der DAX , der Dow Jones Industrial Average, der S&P 500 und der Nikkei 225 . Zu den modernen zählen die Indizes der Firma MSCI, auf die ich mich hier konzentrieren will. 

Alle historisch gewachsenen Indizes haben gemeinsam, dass die Anzahl der enthaltenen Unternehmen fest definiert ist. Beim DAX und Dow Jones sind es 30, bei den anderen beiden steckt die Anzahl bereits im Namen. Der DAX wird ab September 2021 40 Unternehmen enthalten (Quelle).

Diese Indizes enthalten dann die jeweils 30, 225 oder 500 größten Aktiengesellschaften des jeweiligen Landes. Gemessen wird die Größe an der Marktkapitalisierung, d.h. nach Börsenwert (Anzahl der Aktien x Wert pro Aktie).  

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung spiegeln diese Indizes also nicht die gesamte Wirtschaft eines Landes wider oder enthalten gar alle Aktien aller Unternehmen eines Landes. Denn es werden ja nur die größten Aktiengesellschaften abgebildet. Alle anderen Unternehmen werden nicht berücksichtigt.  

Aber immerhin: der DAX umfasst 74% der Marktkapitalisierung der an der Frankfurter Börse gelisteten deutschen Unternehmen ab, d.h. ¾ des Börsenwerts aller deutschen Aktiengesellschaften werden repräsentiert (Quelle). Geht der Wert des DAX nach oben, bedeutet das, dass eins oder mehrere der enthaltenen Unternehmen im Börsenkurs gestiegen ist. In diesem Sinne ist der DAX ein gutes Barometer für die Entwicklung der größten deutschen Aktiengesellschaften. 

Eignet er sich aber auch gut für eine breit diversifizierte ETF-Anlage? Eher nicht. Der DAX enthält nur 30 Unternehmen aus nur einem Land.  

Gibt es Alternativen? Ja klar gibt es die.  

Moderne Indizes bieten einen besseren Ansatz 

Bei der ETF-Suche wird dir sicher oft das Kürzel „MSCI“ aufgefallen sein. Bei Morgan Stanley Capital International handelt es sich um ein US amerikanisches Finanz-Unternehmen, das bereits seit über 50 Jahren Indizes bildet. Grund war ursprünglich (und auch heute noch), dass immer mehr Menschen nicht nur in nationale Werte investieren wollen, sondern auch nach internationalen Investitionsmöglichkeiten suchen. MSCI hat diesen Bedarf erkannt und Indizes investierbarer Aktien erstellt, damit man als Investor einen Überblick bekommt. 

Für die Bildung eines Index nutzt MSCI viele verschiedene Kriterien, die über die Jahre kontinuierlich weiter entwickelt wurden. Heute sind diese Indizes weit verbreitet und viele ETFs bilden sie kostengünstig ab. Das ermöglicht ein breites Investment-Engagement und viele Auswahlmöglichkeiten.  

Manchmal vielleicht zu viele für den ETF-Anfänger. Aber nachdem du diesen Artikel zu Ende gelesen hast, wirst du in der Lage sein die ETFs besser einzuschätzen und eine informierte Entscheidung treffen können. 

Wie bildet MSCI Indizes? 

Die Regeln zur Erstellung der Indizes sind komplex, dabei aber objektiv und transparent (Quelle). 

Der erste Schritt ist die Definition eines Anlage-Universums oder Marktes. Das kann ein bestimmtes Land sein, eine bestimmte Region, der wirtschaftliche Entwicklungsstand (Industrieländer, Schwellenländer, Entwicklungsländer) oder eine Gruppe von Unternehmen, die sich um soziale oder ökologische Nachhaltigkeit bemühen. 

Als nächstes erfolgt eine Segmentierung dieses Anlage-Universums/Marktes nach der Marktkapitalisierung/dem Börsenwert der enthaltenen Unternehmen. Wichtig dabei ist, dass nur öffentlich handelbare Aktien (Streubesitz, englisch: free float) berücksichtigt werden, nicht aber die Aktien, die z.B. von Firmeneigentümern dauerhaft gehalten werden. Denn Ziel der Indexerstellung ist es ja Investmentmöglichkeiten aufzuzeigen.  

Segment Marktkapitalisierung (Börsenwert)
Large Cap > 10 Milliarden US-Dollar
Mid Cap 2-10 Milliarden US-Dollar
Small Cap 300 Millionen bis 2 Milliarden US-Dollar
Micro Cap < 300 Millionen US-Dollar

Quelle: MSCI

Die Tabelle zeigt in der linken Spalte die Namen der Segmente/Indizes. Diese Bezeichnungen oder deren Abkürzungen hast du vielleicht schon im einen oder anderen ETF-Namen gesehen.

Wie du siehst, ist es nach MSCI-Definition möglich in 99% des Börsenwerts eines Marktes zu investieren (Investable Market Index). Micro Cap Unternehmen sind zu klein (siehe unten). Es gibt kaum Nachfrage und Angebot, die Aktie ist illiquide. Daher gibt es auch keine ETF für diesen Index.

Wie ist die rechte Seite der Tabelle zu interpretieren? 

Der Standard Index von z.B. Deutschland enthält per Definition 85% des gesamtdeutschen Börsenwerts. Also nicht 85% der deutschen Aktiengesellschaften, sondern 85% des Gesamtwertes der deutschen Aktiengesellschaften. Die Zahl der Unternehmen schwankt: Mal sind es mehr, mal weniger. Je nachdem wie sich gerade der Börsenwert entwickelt. Damit es aber nicht zu viele Wechsel zwischen den Segmenten gibt, gibt es eine Sicherheitsspanne. Das ist gut für uns, denn das spart dem ETF Transaktionskosten. Sonst müsste bei jeder Aktenkursschwankung der ETF angepasst werden. 

In den Segmenten sind die einzelnen Aktiengesellschaften prozentual zu ihrem Börsenwert im Gesamt-Index enthalten. Ganz schön kompliziert? Ja! 

Ich habe eine Weile gebraucht, um das zu verstehen. Mit einem Beispiel wird es aber hoffentlich klarer. Schauen wir einmal in das Datenblatt des MSCI Germany Standard Index: 

msci_germany_index_april_2021
Quelle: Datenblatt MSCI Germany Index, Stand 30.04.2021.

Die Börsenwert aller Aktiengesellschaften in Deutschland beträgt ca. 1,59 Billionen US-Dollar. Der Standard Index deckt nach MSCI-Definition 85% aller Unternehmen gemäß ihres Börsenwerts ab. Das entspricht im Fall von Deutschland 1,35 Billionen US-Dollar. 

Nun wird der „Topf“ solange mit Unternehmen gefüllt, bis die Summe ihrer Börsenwerte diese 1,35 Billionen US-Dollar erreicht hat.  

Im Beispiel sieht man, dass SAP, Siemens und die Allianz einen sehr großen Anteil am gesamten deutschen Börsenwert ausmachen. Die drei Unternehmen alleine machen schon fast ¼ des MSCI Standard Index aus! Und die gezeigten 10 größten Unternehmen machen 60% des gesamten Börsenwerts aus.  

Übrigens: Der DAX liegt mit seinen 74% Marktabdeckung zwischen dem MSCI Large Cap (70% des deutschen Börsenwerts) und dem MSCI Standard Index (85% des deutschen Börsenwerts). Das ist eine ganz gute Abdeckung des Börsenwerts in Deutschland, wenn auch viele kleine Aktiengesellschaften unberücksichtigt bleiben.

Segmentierung ermöglicht zielgerichtete Investitionen 

Warum habe ich das so ausführlich erläutert? Damit du beim Investment nachvollziehen kannst, in welchem Index welche Unternehmen enthalten sind. Ein Large Cap Index enthält nur die vom Börsenwert größten Unternehmen. Ein Small Cap Index die kleineren. Hier kannst du dich entscheiden, was dir lieber ist. Oder zwei ETFs kaufen und beide Marktsegmente abdecken. Für nahezu jeden Index gibt es einen passenden ETF im Angebot. 

Übrigens: So klein sind Small Cap Unternehmen gar nicht. Hier eine Übersicht: 

Segment Marktkapitalisierung (Börsenwert)
Large Cap > 10 Milliarden US-Dollar
Mid Cap 2-10 Milliarden US-Dollar
Small Cap 300 Millionen bis 2 Milliarden US-Dollar
Micro Cap < 300 Millionen US-Dollar

Quelle: Fidelity

Den MSCI World verstehen 

Ein weiterer Grund für die ausführliche Darstellung zur Markt-Segmentierung ist, damit du besser verstehst, wie der MSCI World aufgebaut ist. Denn hier gibt es viele Missverständnisse. Er enthält nämlich nicht alle Aktien der Welt wie der Name nahelegt. 

Stattdessen wird hier wieder ein Anlage-Universum gebildet. Und das besteht nicht aus allen Ländern der Welt, sondern aus 23 Industrieländern. Anschließend wird vorgegangen wie oben beschrieben. Und das erklärt, warum fast 65% aller enthaltenen Aktien aus den USA stammen.  

Da die Unternehmen aus den USA den weltweit größten Börsenwert haben, füllen diese den Topf als erstes und zahlenmäßig am meisten. Erst viel später in der Reihenfolge kommen andere Länder mit dazu. Japan als zweithäufigstes Land steuert nur 7% der Aktien bei, Deutschland sogar nur 2,8%! (Stand 24.05.2021, Quelle

Insgesamt sind im MSCI World, wie es die Definition verlangt, 85% der free float Marktkapitalisierung der Large und Mid Cap Unternehmen der 23 Industrieländer enthalten. Zusammen ergibt das 1583 Aktien (Stand 30. April 2021, Quelle).  

Du hast es sicher schon gemerkt: Aktien aus Entwicklungs- oder Schwellenländern sind im „normalen“ MSCI World nicht enthalten. Wenn du mit einem ETF auch in diese investieren willst, dann es gibt dafür den MSCI World All Country World Index (ACWI). Hier sind 49 Länder mit 2974 börsennotierten Unternehmen enthalten. Willst du auch noch Small Cap Unternehmen mit abdecken, brauchst du den MSCI ACWI IMI Index, der 8982 Aktien enthält und damit 99% des Börsenwerts der Welt.  

Übrigens: Welche Länder von MSCI welchem Entwicklungsstand zugeordnet werden, kannst du dir auf der Website von MSCI anschauen (Quelle). 

Die Ausnahme von der Regel 

Die Bildung von Indizes nach den MSCI-Kriterien ist modern und objektiv, daher gibt es viele ETFs, die auf diesen Indizes basieren.  

Dennoch solltest du einen ETF, der der Entwicklung des Standard and Poor’s 500 oder kurz S&P 500 folgt in die engere Auswahl ziehen. Dieser Index enthält die 500 größten Unternehmen der USA und ist innerhalb der USA breit diversifiziert (Quelle).  

Der S&P 500 deckt 80% der verfügbaren Marktkapitalisierung der USA ab und jedes Unternehmen muss mindestens 11,8 Milliarden Euro Börsenwert aufweisen. Es sind also nur wirkliche big player enthalten. 

Der Vorteil eines ETFs auf diesen Index sind die gute Marktabdeckung, die hohe Liquidität (d.h. Handelbarkeit) und die damit verbundenen sehr niedrigen Kosten (TER 0,07%).  

Eigene Erfahrungen 

Im Zuge der Recherche für diesen Artikel habe ich noch einiges dazu gelernt. Die Zusammensetzung der Marktsegmente war mir vorher in dieser Tiefe nicht bewusst. Da ich neben dem S&P 500 auch einen ETF des MSCI USA Small Cap Index halte, habe ich mich gefragt, ob das eigentlich Sinn macht. 

Der S&P 500 deckt 80% der US amerikanischen Marktkapitalisierung ab. Das entspricht nach MSCI-Kriterien etwa dem Standard Index (70% = Large Cap + 15% = Mid Cap Unternehmen). Die nächsten 14% Marktkapitalisierung sind nach Definition Small Cap Unternehmen. Diese sollten also im S&P 500 nicht enthalten sein. 

Das habe ich nachgeprüft. Auf der Seite von MSCI gab es keine Listen der Unternehmen des Index, dafür aber tagesaktuelle beim ETF-Anbieter iShares (Excel-Tabellen: S&P 500, MSCI USA Small Cap). Ein Vergleich in Excel zeigt: 34 Übereinstimmungen zwischen den beiden Indizes (Stand 24.05.2021). Die Erklärung dafür ist die oben erwähnte Sicherheitsspanne. 34 Überschneidungen bei 500 bzw. 1729 Aktien finde ich absolut ok. 

Ich bin also beruhigt. Beide ETFs haben weiterhin ihre Berechtigung in meinem Depot. 

Wichtige Abkürzungen im Zusammenhang mit Indizes und ETF-Namen 

Damit du bei deiner ETF-Investition die richtige Entscheidung treffen kannst, ist es wichtig die Abkürzungen in den Namen der ETFs zu verstehen. Dazu findest du hier ein Verzeichnis der häufigsten Kürzel: 

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Abkürzung Steht für Bedeutung
ACC Accumulating Thesaurierend; ETF, der die Dividenden nicht ausschüttet, sondern wieder in Anteile anlegt
ACWI All Country World Index MSCI World, der Industrie-, Schwellen- und Enwicklungsländer umfasst.
Cap Market capitalization Marktkapitalisierung (Börsenwert) = Aktienpreis x Anzahl handelbare Aktien. Indikator für den Wert eines Unternehmens.
Core Bezeichnung des ETF-Anbieters iShares mit dem besonders beliebte und günstige ETF markiert werden.
DAX Deutscher Aktienindex Enthält die 30 größten Unternehmen Deutschlands.
Dis Distributing Ausschüttend
DM Developed market Industrieland
EM Emerging market Schwellenland
EMU European Economic and Monetary Union Aktien der 246 größten Unternehmen aus 10 Ländern der Eurozone.
ESG Environmental, Social & Governance Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien. Ausschluss von Herstellern von Tabak, zivilen Feuerwaffen bzw. Gesellschaften deren Einnahmen aus Kraftwerkskohle, Tabak, zivilen Feuerwaffen oder Ölsand stammen oder gegen den UN Global Compact verstoßen.
FM Frontier market Länder, die weder zu DM, noch zu EM gehören, aber offen sind für Investitionen.
Free Float Streubesitz = Öffentlich handelbare Aktien.
GIMI Global investable market index Globaler Markt der investierbaren Aktien.
GDTR Gross Dividend Total Return Im Index wird die Bruttodividende von Wertpapieren berücksichtigt.
IMI Investable market index Investierbarer Markt
ISIN International Securities Identification Number Weltweit eindeutige Bezeichnung eines Wertpapiers.
Large Cap Marktsegment mit den nach Börsenwert größten Unternehmen im MSCI Index des betrachteten Markts (70%).
MSCI Morgan Stanley Capital International US amerikanischer Finanzdienstleister; erstellt u.a. internationale Aktienindizes.
EAFE Europe, Australasia, Far East 21 Industrieländer ohne Kanada und USA.
Micro Cap Marktsegment mit den nach Börsenwert kleinsten Unternehmen im MSCI Index des betrachteten Markts (1%).
Mid Cap Marktsegment mit den nach Börsenwert mittelgroßen Unternehmen im MSCI Index des betrachteten Markts (15%).
MSCI World Index Globaler Index mit Aktien aus 23 Industrieländern.
Nikkei 225 Nikkei Heikin Kabuka Japanischer Leitindex.
PLC Public Limited Company Rechtsform für Kapitalgesellschaften
REIT Real Estate Investment Trusts ETF für Immobilien
Small Cap Marktsegment mit den nach Börsenwert kleineren Unternehmen im MSCI Index des betrachteten Markts (14%).
S&P Standard & Poor US amerikanischer Finanzdienstleister; erstellt u.a. Aktienindizes.
S&P 500 Standard & Poor 500 Aktienindex der 500 größten US amerikanischen Aktiengesellschaften.
SRI Socially Responsible Investing Sozial nachhaltiges Investment
TER Total Expense Ratio Maß für die Gesamtkostenbelastung eines Fonds. Darin sind sämtliche Kosten eines Fonds enthalten.
UCITS bzw. OGAW Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities Organismus für gemeinsame Anlage in Wertpapieren Die OGAW-Richtlinien sollen einen einheitlichen Mindeststandard beim Anlegerschutz gewährleistetn und das grenzüberschreitende Angebot von Investmentfonds erleichtern.
UHD Unhedged Bei ETF in anderen Währungen, gibt an, dass die Differenzen zum Euro nicht abgesichert sind.
USD US-Dollar

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Quellen: Website MSCI, Website Fidelity, Website Blackrock 




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