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Investieren ist kein Sprint, sondern ein Marathon

Für eilige Leser

✓ ETFs sind optimal, um echtes passives Einkommen zu erzeugen
✓ Je früher du startest, umso mehr profitierst du vom Zinses-Zins-Effekt

Oft werde ich gefragt, wie viel das Investieren in ETFs eigentlich einbringt. Wie viel Rendite und Dividende kann man erwarten? 

Nun, ich besitze leider keine Glaskugel, um in die Zukunft zu schauen. Eine Prognose abzugeben wie sich die Aktienmärkte entwickeln werden, wäre daher ziemlich unseriös. Jedes Jahr ist anders und einzigartig. Wer hätte denn z.B. mit Corona gerechnet? Oder damit, dass ein Tanker tagelang den Suez-Kanal blockiert? All das hat Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. All das ist unvorhersehbar. 

Diese Antwort findest du unbefriedigend?

Dann lies weiter und erfahre mehr am Beispiel des S&P 500!

Übrigens: Ganz am Ende gibt es eine graphische Zusammenfassung ↓ dieses Artikels! 

Der S&P 500 – der Leitindex der USA 

Alles was jetzt folgt ist eine rein historische Betrachtung ohne jede Vorhersagekraft für die Zukunft! Doch mithilfe der Zahlen aus der Vergangenheit kann man immerhin einiges über das Investieren lernen und Handlungen für die Zukunft ableiten.  

Schauen wir uns dazu den Standard & Poor’s 500 Index, kurz S&P 500, an. Diesen Index gibt es in dieser Art seit 1957 und er repräsentiert die führenden Unternehmen der USA. Er bildet 83% der gesamten US-Marktkapitalisierung ab. Die enthaltenen Unternehmen sind nach Börsenwert gewichtet, sodass die größten Unternehmen auch den größten Anteil am Index ausmachen und somit entscheidend dessen Wert bestimmen (mehr Hintergrundinformationen zu Indizes).

Was bedeutet das? Die Unternehmen Apple (5,48%), Microsoft (5,21%) und Amazon (3,83%) machen zusammen schon fast 15% des Indexwerts aus (Stand 05.06.2021). Wenn sie als Unternehmen im Wert steigen, dann steigt auch der S&P 500 Index im Wert.

Kriterien für die Aufnahme in den S&P 500 sind u.a., dass die Unternehmen ihren Firmensitz in den USA haben, einen Börsenwert von mindestens 11,8 Milliarden US-Dollar aufweisen, hoch liquide sind und mindestens 10% der Aktien im Streubesitz sind und gehandelt werden können. Das Unternehmensergebnis des letzten Quartals muss positiv sein ebenso wie die Summe der letzten vier Quartale. Um eine hohe Qualität des Index zu gewährleisten, wird dessen Zusammensetzung monatlich geprüft. 

Indizes verändern sich parallel zu gesellschaftlichen Entwicklungen 

Der große Vorteil von Indizes per se ist, dass sie breit gestreut sind und die Unternehmen darin bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen. Wenn diese nicht mehr erfüllt werden, fliegen sie raus. Damit ist gewährleistet, dass man immer nur in erstklassige Unternehmen investiert, die eine stabile Rendite versprechen. 

Eine breite Streuung wird erreicht, indem der Index 11 Sektoren gemäß Global Industry Classification Standard (GICS) abbildet: Energie, Materialien, Industrie, Konsumgüter, Grundbedarfsgüter, Gesundheitswesen, Finanzen, Informationstechnologie, Kommunikationsdienste, Immobilien und Versorgung. 

Spannend ist der Vergleich der Zusammensetzung des Index im Jahr 1969 vs. 2019 (Quelle). Waren 1969 noch 166 Industrieunternehmen enthalten (33%), waren es 2019 nur noch 70 (14%). In der gleichen Zeit stieg die Zahl der IT-Unternehmen von 16 auf 68 an. Ein Zuwachs von 425%.

Wie hat sich der Wert des S&P 500 in den letzten Jahren entwickelt? 

Kommen wir aber zur Ausgangsfrage zurück, wie sich der S&P 500 in den letzten Jahren und Jahrzehnten entwickelt hat.  Dafür gibt es verschiedene Arten von Darstellungen mit kleinen aber feinen Unterschieden. 

In der Abbildung siehst du die monatliche Performance des S&P 500 Index dargestellt als „Total Return“. Die Werte der Kurve enthalten die Kursentwicklung inklusive Reinvestierung der Dividenden und ggfs. weiterer Ausschüttungen. 

Monthly Index Performance of the S&P 500 Based on Total Return 
1970-2018 as of December 31, 2018 
o 
14,000 
12,000 
10,000 
8,000 
6,000 
4,000 
2,000
Der S&P 500 Index von 1970 bis 2018 dargestellt als Total Return, d.h. Kurs + reinvestierte Dividenden vor Abzug der Quellensteuer (Quelle). Angabe in US-Dollar.

Sofort fallen zwei größere Kurseinbrüche auf: Das Platzen der Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre und die Finanzkrise 2008.

Nach jeder Krise aber haben sich der Index bzw. die darin enthaltenen Unternehmen aber wieder erholt und waren auf dem Weg zu neuen Höhen. Die Entwicklung seit den 70er Jahren war rasant.

Schaust du dir aber die nächste Abbildung an, wirst du dich wundern. Das soll der gleiche Index sein? Die Y-Achse zeigt ja eine ganz andere Skala?! Und ja, das ist korrekt. Dieses Diagramm zeigt den S&P 500 als „Net Return“, d.h. ohne Reinvestierung der Dividende und ohne den Zinses-Zins-Effekt mitzunehmen (mehr dazu weiter unten!).

3,900 
3,250 
4600 
1,950
 Der S&P 500 Index von 2011 bis 2021 dargestellt als Net Return, d.h. die reine Kursentwicklung (Quelle). Reine Betrachtung des Index; ohne Investitionskosten und Steuerabzug. Angabe in US-Dollar.

Beide Abbildungen zeigen, dass sich der Start einer Investition zu jeder Zeit gelohnt hätte. Selbst wenn man kurz vor einem starken Kurseinbruch gekauft hätte, hätte man nur ein paar Jahre warten müssen, um Gewinne einstreichen zu können. Auf lange Sicht ist der Index immer gestiegen.  

Das galt auch für den Einbruch während der Corona-Pandemie 2020, den du in der zweiten Abbildung deutlich erkennen kannst.

Das ist doch schon einmal eine gute Nachricht!


Info-Box

Darstellung der Wertentwicklung ohne Berücksichtigung und Reinvestition der Dividenden.


Das einzelne Jahr ist weniger entscheidend

Schauen wir uns jetzt aber einzelne Jahre im Detail an. Zum Beispiel den Zeitraum 1997 bis 2021:

Jährliche prozentuale Veränderungen des S&P 500 (Net Return) von 1997 bis Anfang 2021. Reine Betrachtung des Index; ohne Investitionskosten und Steuerabzug.
Jährliche prozentuale Veränderungen des S&P 500 (Net Return) von 1997 bis Anfang 2021 (Quelle). Reine Betrachtung des Index; ohne Investitionskosten und Steuerabzug.

Die Abbildung zeigt die jeweilige jährliche Veränderung des Index, gemessen vom letzten Handelstag des Vorjahres zum letzten Handelstag des betrachteten Jahres.

Sofort springen einem die roten Balken ins Auge. Aber keine Sorge! Du wirst gleich sehen, dass solche Wertverluste wie im Jahr der Finanzkrise 2008 zum Glück recht selten waren. Denn die meisten Balken sind grün und liegen sogar im zweistelligen Bereich. 

Was kann man aus diesem Diagramm aber nun ableiten? Kann man damit die Ausgangsfrage beantworten, wie viel der S&P 500 im Schnitt über mehrere Jahre eingebracht hat?  

Ja und nein!

Denn es ist auf den ersten Blick klar, dass die mittlere jährliche Rendite stark davon abhängt in welchem Jahr man investiert und in welchem man wieder verkauft hat.

Wie die mittlere jährliche Rendite korrekt berechnet wird, erfährst du weiter unten.

Eine geniale Darstellung: Das Renditedreieck

Glücklicherweise hat jemand eine tolle Idee gehabt und das sogenannte Renditedreieck erfunden. Schauen wir es uns für den S&P 500 an: 

Darstellung der mittleren jährlichen Renditen (Net Return) für alle möglichen Kauf- und Verkaufskombinationen der Jahre 2000 bis 2019. Alle Käufe und Verkäufe beziehen sich auf den letzten Handelstag des jeweiligen Jahres. Reine Betrachtung des Index; ohne Investitionskosten und Steuerabzug. Bezogen auf Werte in US-Dollar.
Darstellung der mittleren jährlichen Renditen (Net Return) für alle möglichen Kauf- und Verkaufskombinationen der Jahre 2000 bis 2019. Alle Käufe und Verkäufe beziehen sich auf den letzten Handelstag des jeweiligen Jahres (Quelle). Reine Betrachtung des Index; ohne Investitionskosten und Steuerabzug. Bezogen auf Werte in US-Dollar.

Hier sind für die letzten 20 Jahre alle Kombinationen aus Kauf (X-Achse) und Verkauf (Y-Achse) aufgetragen und welche mittleren jährlichen Renditen man in diesen Zeiträumen erzielt hätte.  

Im Überblick sieht man schon, dass die meisten Kombinationen grün sind. In 86% aller Anlagezeiträume hat sich eine positive mittlere jährliche Rendite ergeben. 

Krisenkurse sind Einstiegskurse 

Die roten, negativen Renditen ergaben sich, wenn man kurz vor den Krisen 2000 und 2008 gekauft und während der Krisenzeit verkauft hätte. Hat man die Krisen aber geduldig ausgesessen und ein paar Jahre gewartet, dann waren die mittleren jährlichen Renditen und das Gesamtergebnis wieder positiv. 

Beispiel: Kauf 2007 (vor der Finanzkrise) und Verkauf in 2008 (während der Finanzkrise). Der Wertverlust betrug 38,5% innerhalb nur eines Jahres. Wartete man mit dem Verkauf aber bis 2013, so betrug die mittlere jährliche Rendite 7,5%. 

Moment mal, wie kann das sein? Fünf negative Werte in aufeinanderfolgenden Jahren und dennoch wird die mittlere jährliche Rendite positiv? 

Der Mittelwert täuscht

Um das zu verstehen, braucht man eine Übersicht der realen jährlichen Veränderungen und am besten ein Zahlenbeispiel: 

Jährliche prozentuale Veränderung des S&P 500 (Net Return, jeweils bezogen auf den letzten Handelstag des Jahrens; Quelle) und Beispiel für eine Investition von 100 Euro im Jahr 2007 bzw. 2008 mit Verkauf jeweils im Jahr 2020. Reine Betrachtung des Index; ohne Investitionskosten und Steuerabzug.

Die jährlichen Veränderungen waren nach dem Krisenjahr 2008 nämlich wieder überwiegend positiv und mit Ausnahme weniger Jahre sogar zweistellig. Das erklärt, wie die –38,49% im ersten Jahr über die Jahre wieder ausgeglichen werden konnten. Im Jahr 2013 hatte sich dann ein Gewinn gegenüber den ursprünglich investierten 100 Euro ergeben.

Wer die Nerven behalten hat und weiß, dass Krisenkurse Einstiegskurse sind und im Krisenjahr 2008 fleißig weiter investiert hat z.B. mit einem Sparplan, der wurde belohnt und konnte die hohen nachfolgenden Renditen einstreichen.  

Wichtig ist es also in Krisenzeit die Nerven zu behalten und nicht zu verkaufen.

Da man vorab aber nie weiß, wie sich ein Jahr entwickeln wird, sollte man am besten kontinuierlich investieren und sich weder von „hohen“ noch von „niedrigen“ Kurswerten irritieren lassen.  

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie 2020

Das galt besonders während der Corona-Pandemie, die sich im Jahr 2020 stark auf die Aktienkurse ausgewirkt hat. Und damit auch auf den S&P 500 Index. Schauen wir uns einmal den Verlauf von 2019 bis Mitte 2021 an:

Kursverlauf eines ETF auf den S&P 500. Quelle: comdirect. Reine Betrachtung des Index; ohne Investitionskosten und Steuerabzug.

Im März 2020 kam es im Zuge der Angst um die gerade beginnende Pandemie zu einem drastischen Wertverlust des S&P 500, der danach aber schnell wieder aufgeholt wurde.

Mindestens zwei Dinge bestätigen sich in dieser Abbildung: 1) Krisenkurse sind Einstiegskurse und 2) die mittlere jährliche Rendite bildet nicht ab, was sich während des Jahres abspielt.

Wer würde denken, dass sich nach solch einem Einbruch eine mittlere jährliche Rendite von 16,26% ergeben kann? Also auch wer am 31.12.2020 zu „hohen“ Preise gekauft hat, hat am 31.12.2021 Gewinn gemacht.

Der größte Helfer beim Investieren: der Zinses-Zins-Effekt 

Du solltest möglichst früh anfangen zu investieren, um den Zinses-Zins-Effekt zu nutzen. 

Schauen wir uns an, was er ausmachen kann. Die erste Abbildung zeigt in blau eine Investition von 100 Euro im Jahr 1985 und einen Verkauf in 1995. In diesem Zeitraum lag die mittlere jährliche Rendite des S&P 500 Index bei 4,3%. 

Aus 100 Euro wurden innerhalb von 10 Jahren 292 Euro, d.h. der Einsatz hat sich fast verdreifacht! Die Entwicklung ist nahezu linear, auch wenn man schon eine leichte Beugung der Kurve hin zum Exponentiellen erkennen kann. 

Die orangene Linie zeigt übrigens den realen Verlauf der jährlichen Renditen. Denn Wachstum ist in der Realität nicht so geradlinig, wie der Mittelwert es suggeriert. Mal geht es auf, mal geht es ab. Da heißt es stark bleiben.

Wertentwicklung von 100 Euro (1985-1995) 
300 
—Mittlere jährliche Renditen 
'—Reale jährliche Renditen 
250 
75 
50 
1987 
1988 
1991 
1993 
1994 
1995
Wertentwicklung von 100 Euro investiert in den S&P 500 1985 und verkauft in 1995. Die mittlere jährliche Rendite von 4,3% (blaue Kurve) täuscht eine regelmäßiges und exponentielles Wachstum vor. Die realen jährlichen Veränderungen (orange) verliefen weniger „glatt“. Quelle der Daten. Reine Betrachtung des Index (net return); ohne Investitionskosten und Steuerabzug.

Schauen wir uns einen längeren Zeitraum an. Hat man nämlich 1985 investiert und für den Verkauf das Jahr 2020 abgewartet, konnte man einen gerade zu gigantischen Gewinn mitnehmen. Die Wertentwicklung schoss durch die Decke. Aus 100 Euro wurden 1758 Euro. Die mittlere jährliche Rendite über diese 35 Jahre betrug 8,5%.

Wertentwicklung von 100 Euro (1985-2020) 
•—Mittlere jährliche Renditen 
'—Reale jährliche Renditen 
200 
0 
1985 
2015
Wertentwicklung von 100 Euro investiert in den S&P 500 1985 und verkauft in 2020. Die mittlere jährliche Rendite von 8,5% (blaue Kurve) täuscht eine regelmäßiges und exponentielles Wachstum vor. Die realen jährlichen Veränderungen (orange) verliefen weniger „glatt“. Quelle der Daten. Reine Betrachtung des Index (net return); ohne Investitionskosten und Steuerabzug.

Dieses exponentielle Wachstum ist dem Wunder des Zinses-Zins-Effekts zu verdanken.


Info-Box

Zinssatz 8,5% = Faktor 1,085

Jahr 1: 100 Euro * 1,085 = 108,5 Euro

Jahr 2: 108,5 Euro * 1,085 = 117,7 Euro

Jahr 3: 117,7 Euro * 1,085 = 127,7 Euro

usw.

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Wie du siehst, hat schon eine einmalige Investition von 100 Euro enorm viel Gewinn gebracht. Und bei allen Rechnungen wurden reinvestierte Dividenden noch nicht einmal mitbetrachtet. Ein ETF, der das für dich automatisch vornimmt, heißt thesaurierend und ist daher vorzuziehen, bevor du die Dividendenzahlung leichtfertig ausgibst 😉

Daher gilt: Früh starten und reinvestieren! 

Wie viel bringt der S&P 500 im Schnitt ein? 

Kommen wir also noch einmal zurück zur Ausgangsfrage: Wie viel Rendite bringt der S&P 500 ein?

Ich hoffe du verstehst nun, dass man diese Frage nur für die Vergangenheit beantworten kann und auch dort davon abhängt, wann man gekauft und verkauft hat. Das Renditedreieck gibt auf konkrete Fragen konkrete Antworten.

Welche Kombination aus Kaufsjahr und Verkaufsjahr in der Zukunft optimal sein wird, lässt sich leider nicht einmal erahnen. Das ist das Risiko das man beim Investieren nicht eliminieren kann. 

Klar ist aber: Der Zinses-Zins-Effekt wird selbst aus dem kleinsten Sparplanbetrag eine ordentliche Summe hervorbringen, wenn man immer die Nerven bewahrt und seinem Geld Zeit zum Wachsen lässt! 

Hier die versprochene graphische Zusammenfassung (zum Vergrößern in der Mitte klicken):


Investieren war nie leichter als heute

Starte noch heute damit!

Quellen: Jährliche Veränderung des S&P 500: Macrotrends, Yahoo Finance; Renditedreieck S&P 500; Hintergründe S&P 500: Website, Broschüre.




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